Wie sicher ist der Euro derzeit in Deutschland?

Eine Finanzfachzeitschrift hat bereits im letzten Jahr ausgerechnet, dass die Rettung des Euro jeden Bundesbürger gut 2300.- Euro kosten würde und damit auf einen Erwerbstätigen um die 4.500.- Euro entfallen könnten. Errechnet wurden diese Zahlen anhand der Rettungsmechanismen der EU, die Deutschland mit insgesamt 190 Milliarden Euro belasten würden. Allerdings flossen in diese Summen mehrere mögliche Aspekte nicht mit ein und so wurde beispielsweise nicht berücksichtigt, dass eventuell auch Italien finanzielle Hilfen von Deutschland braucht und so könnten die Kosten durchaus auch auf mehr als 10.000.- Euro für jeden Bürger anwachsen. Nimmt man nur diese Berechnungen, fällt bereits auf, dass der Euro große Probleme hat und damit nicht unbedingt die sicherste Währung der Welt sein könnte. Ob es allerdings einen echten Grund zur Sorge gibt, lässt sich nicht so einfach beantworten, denn viele Aspekte spielen hier zusammen.

Das komplexe System führt zu Unsicherheiten

Mit der Gründung der EU sollten Handels- und Reisemöglichkeiten innerhalb von Europa vereinfacht werden. Man wollte mehr einheitliche Regelungen und eine einheitliche Währung. Allerdings wurde die Einführung des Euro dann unter Voraussetzungen durchgeführt, die damals bei Experten bereits Kopfschütteln auslösten. Warum? – Weil man auch die wirtschaftlichen Bedingungen anpassen müsste, damit eine einheitliche Währung auf stabilen Beinen stehen kann. Das allerdings wurde auf später verschoben und der Run auf die EU zog viele heutige Mitgliedstaaten mit schwachen Haushalten an. Sie versprachen sich viel vom Euro und schönten dafür sogar zum Teil ihre Zahlen. Unbedachte Aussagen von Regierenden können zudem dazu führen, dass Ratingagenturen munter werden und Abstufungen vornehmen und schon dreht sich das Schuldenkarussell schneller, ohne dass ein konkreter Grund dafür vorliegt. Viele verschiedene Verträge wurden unterzeichnet und neue Regelungen geschaffen, die zum Teil nicht mit den jeweiligen Landesgesetzen in Einklang zu bringen waren. Nicht selten konnte eine sinnvolle Maßnahme nicht greifen, weil Gesetze dies verhinderten oder Gegner Bedenken anmeldeten. Ein riesiges Projekt, für das es keine Vergleiche in der Menschheitsgeschichte gibt, kam ins Wanken, doch erst die Finanzkrise in den USA konnte den Euro so richtig erwischen. Noch heute versuchen die Regierungen Europas mit Wachstumspaketen und Rettungsschirmen das Schlimmste abzuwenden und ob diese Anstrengungen von Erfolg gekrönt oder gnadenlos versagen werden, wagen noch nicht einmal die großen Finanzexperten vorauszusagen. Sicher ist der Euro also wohl derzeit nicht, doch das ist keine Währung der Welt, denn die Schuldenkrise ist ein globales Problem.

Solange der Export läuft droht nur wenig Gefahr

Zurzeit stützt sich der Euro in Deutschland vor allem auf den Exportmarkt. Deutsche Autos sind gefragt wie nie, denn der riesige chinesische Markt nimmt immer mehr auf. Die Wirtschaftsbeziehungen zu China nutzen dem Euro und die Deutschen können sich derzeit noch unbesorgt nach flexiblen Anlagemöglichkeiten umsehen, denn ihre Einlagen sind hier abgesichert. Doch auch in China beginnt die Wirtschaft irgendwann ganz leise zu stagnieren. Die Nachfragen sinken, der Bedarf ist gedeckt und das lässt in Deutschland die Wirtschaft wieder schrumpfen. Zum Glück stehen bereits andere Schwellenländer in den Startlöchern, doch ob Indien und Co. rechtzeitig über ausreichend Geld verfügen, um den Export in Deutschland wieder anzufachen, weiß noch kein Experte.

Fazit

Niemand weiß genaues, alle können nur vermuten. So würde sich die Frage nach der Sicherheit des Euros derzeit am besten beantworten lassen. Der neue Europäische Stabilitätsmechanismus ESM hat erst einmal die Investoren und Ratingagenturen beruhigt und damit auch den Markt. Wie lange das jedoch anhält, weiß niemand und schon eine unbedachte Äußerung einer Regierung kann dafür sorgen, dass die Zinsen für ein ganzes Land steigen. Solange die Märkte die Menschen beherrschen und nicht der Mensch die Märkte, wird es wohl noch einige Unsicherheiten geben und der Euro kann sich nicht als sichere Währung bezeichnen.

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